Wie ein Kind - Eigenschaften eines Kindes
kindergottesdienst
 
Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm, dass er sie anrühren sollte. Als das aber die Jünger sahen, fuhren sie sie an. Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. (Lukas 18,5-17)
 
Die Jünger reagieren heftig und weisen die Eltern barsch ab. Sie sind der Ansicht, dass Kinder bei Jesus nichts verloren haben. Der aber lässt sie nicht nur zu sich, sondern er legt noch einen Satz drauf, der beinahe klingt wie der Slogan in der Kinderabteilung von Ikea: „Denen gehört das Reich Gottes!“ Aber Achtung! Jesus sagt nicht: „Kinder sind wichtiger als Erwachsene.“ Es lohnt sich, hier auf den Wortlaut zu achten. Zunächst geht es Jesus um die Kinder. „Lasst sie zu mir kommen!“ Aber dann geht es ihm anscheinend auch um eine besondere Eigenschaft, die Kinder haben. „Das
Himmelreich ist für die, die so wie Kinder sind.“ Was haben Kinder, das Jesus auch gern von Erwachsenen hätte?
 
Kinder sind klein. Kinder wissen, dass sie nicht alles können. Sie wissen, dass sie angewiesen sind auf die Großen. Sie müssen sich darauf verlassen, dass die Großen ihnen geben, was sie brauchen, denn allein könnten sie nicht existieren. Jesus sagt den Erwachsenen oft: „Ihr seid angewiesen auf Gott. Glaubt nicht, ihr könntet alles allein schaffen. Bittet euren himmlischen Vater!“ Das bedeutet freilich nicht, dass wir uns klein machen sollen. Es heißt nicht: „Werdet klein“, sondern: „Versteht, dass ihr klein seid. Seht ein, dass ihr Gott nötig habt!“ Wenn Jesus die Kinder segnet und denen, die so
sind, das Himmelreich zuspricht, dann können wir sehr getrost sein, wenn wir uns mal klein fühlen. Wenn wir einsehen, dass wir etwas nicht ohne Hilfe
schaffen, wenn wir nicht so tun, als sei alles, was wir haben, durch eigene Kraft erarbeitet, dann sind wir reif für das Himmelreich.
Kindheit bedeutet außerdem eine Zeit der Entwicklung. Wer wächst, dem sieht man an, dass er sich entwickelt. Kinder sind also nicht nur klein, sondern sie sind dabei, größer zu werden. Sie sind noch nicht fertig und wissen darum. Jesus verlangt von denen, die ihm nachfolgen, genau dasselbe: „Entwickle dich! Sei dir bewusst, dass du noch nicht angekommen bist. Es geht noch hoch hinaus.“ Das bedeutet für die Gemeinde, wir wachsen gemeinsam. Wir sind zueinander gestellt als Glaubens-, Lebens-und Lerngemeinschaft. Das geschieht im Miteinander der Generationen, unabhängig von unserem Alter und unserer Erfahrung. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Begegnungsräume schaffen, in denen wir miteinander und voneinander profitieren. Der Anfang des Gottesdienstes wird in Zukunft wieder so ein Raum sein, in dem die ganze Gemeinde, alt und jung, zusammen ist. Miteinander, statt nebeneinander – so wollen wir Gemeinde leben. Dazu braucht es jede und jeden von uns.
Das Gemeindejugendwerk hat Kernsätze für das Miteinander der Generationen formuliert. 10 habe ich ausgewählt. Sie sollen Gesprächsanregungen sein in euren Hauskreisen, Gebetstreffen oder beim Kirchenkaffee.


1.
Von Jesus Christus lernen wir, Kindern und Jugendlichen aufmerksam und urteilsfrei zu begegnen. Wir schauen sie an, hören ihnen zu und entwickeln im Gespräch mit ihnen eine Perspektive für gelingendes Leben.
2.
Wir zeigen Kindern und Jugendlichen durch unser Reden und dadurch, wie wir ihnen begegnen, dass Jesus Christus sie bedingungslos liebt und
ihnen nahe ist. Wir laden sie ein, von Jesus Christus Vergebung zu empfangen, wenn sie Schuld mit sich tragen, und helfen ihnen, unangemessene
Schuldgefühle abzulegen.
3.
Wir geben Kindern und Jugendlichen in unseren Aktionen, Festen und altersgemäßen Gottesdiensten die Gelegenheit, ein Stück von Gottes Herrschaft zu erleben.
4.
Die Gemeinde ist für Kinder und Jugendliche eine Chance. In der Gemeinde wird Gottes Herrschaft für sie erfahrbar. Sie finden in ihr ein Umfeld, in dem sie in ihrer Persönlichkeit und ihrem Glauben an Jesus wachsen können. Das ist eine besondere Herausforderung für Gemeindemitglieder
dass sie ihren Glauben ehrlich leben und pflegen.
5.
Wir geben Erfahrungs- und Wissensvorsprung als dankbar entgegengenommenes Geschenk weiter, setzen sie nicht zu unserem Vorteil ein und missbrauchen sie nicht. Gemeinde ist aus unserer Sicht eine Gemeinschaft, die Altersgrenzen relativiert und im jeweiligen Lebensstadium eines Menschen den jeweils eigenen Wert erkennt und wertschätzt.
6.
Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen wir Kinder, wie Jesus Christus es tut, und begegnen ihnen offen und liebevoll. In erster Linie haben wir Kindern nicht etwas zu lehren; sondern wir haben von ihnen zu lernen, Gottes Reich mit leeren Händen zu empfangen. Wir unterstützen Kinder darin, diese Haltung gegenüber Gott auf ihrem Weg zum Erwachsen-Sein zu bewahren.
7.
Wir begleiten junge Menschen auf ihrer Suche nach Antworten auf ihre Glaubens- und Lebensfragen. Wir geben ihnen Hilfestellung, erzählen von unserem Glauben, hören zu, was sie zu sagen haben, und erwarten, dass wir gemeinsam auf diesem Weg Jesus Christus begegnen.
8.
Wir vermitteln Kindern und Jugendlichen Erfahrungen aus erster Hand. Sie sollen zur selbstständigen und handelnden Suche nach Gott angeregt werden und in ihrem eigenen Leben die Erfahrung machen, dass Gott real ist.
9.
Wir wollen Kinder und Jugendliche in die Arbeit einbeziehen. Sie erleben, dass ihre Erlebnisse und die Themen ihres Lebens und Glaubens vorkommen. Gott ist an ihnen am Werk und sie haben etwas beizutragen.
10.
Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche von Gott begabt sind. Darum bauen wir unsere Arbeit auf gabenorientierte und altersgemäße
Beteiligung der Kinder und Jugendlichen.
 
Eure Pastor André Krause