Glaubensprüfung - Freude im Leid

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„Seht es als einen ganz besonderen Grund zur Freude an, meine Geschwister, wenn ihr Prüfungen verschiedenster Art durchmachen müsst. Ihr wisst doch: Wenn euer Glaube erprobt wird und sich bewährt, bringt das Standhaftigkeit hervor. Und durch die Standhaftigkeit soll das Gute, das in eurem Leben begonnen hat, zur Vollendung kommen. Dann werdet ihr vollkommen und makellos sein, und es wird euch an nichts fehlen.“ (NGÜ) Jakobus 1,2-4

So weit mein Gedächtnis mich nicht im Stich lässt, habe ich noch nie einen Menschen getroffen, der sich auf Prüfungen irgendeiner Art gefreut hat. Ganz im Gegenteil: Vor Prüfungen und Klausuren haben die meisten Menschen eher ein unbehagliches Gefühl. Das Herz schlägt schneller, die Hände sind feucht und jeder ist heilfroh, wenn er die Prüfung hinter sich gebracht hat. Umso erstaunlicher die Aufforderung des Jakobus, dass wir Gläubigen es als einen besonderen Anlass zur Freude nehmen sollten, wenn wir merken, „Oh, jetzt stecke ich mal wieder in einer Prüfung.“

Das griechische Wort für „Prüfung“ (peirasmos) kann mit Versuchung, Test, Prüfung oder Probe übersetzt werden. Wir sollen es folglich als einen Grund zur Freude sehen, wenn Gott durch verschiedenste Lebensumstände erlaubt, dass unser Glaube auf die Probe gestellt wird. So dass sichtbar wird, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Wenn unser Glaube echt ist, so werden die verschiedenen Prüfungen, die wir als Gläubige durchleben, dazu führen, dass wir Geduld und Standhaftigkeit entwickeln werden.Ein wieder und wieder geprüfter Glaube, der so manchem Sturm stand gehalten und an Gott festgehalten hat, trotz Schicksalsschlägen und einem Haufen unbeantworteter Fragen, ist es ein Glaube, der Charakter gewonnen hat.In solchen Zeiten der Prüfung wird der menschlichen Seele wiederholt die Frage gestellt: „Wieso hältst du eigentlich noch an Gott fest?“Dies ist die Frage, welche die Frau Hiobs verbalisiert hat. Im Buch Hiob lobt Gott den Lebenswandel des Hiob vor seinen Engeln und vor dem Satan (Hebr. übersetzt: Gegner oder Ankläger). Er fragt Satan persönlich, ob er die Treue und Gottesfurcht seines Dieners Hiob gesehen hätte: Hiob ist ein Mann, der wie kein anderer Gutes tut und das Böse meidet. Nach einigen Unterredungen zwischen Gott und dem Teufel wird dem Satan erlaubt dem Besitz des Hiobs zu schaden, seine Söhne und Töchter durch ein Unglück zu töten und schlussendlich sogar seine Gesundheit von ihm zu nehmen. Als Hiob sich dann nach all den sukzessiv hereingebrochenen Katastrophen mit Geschwüren rumplagt, die er mit einer Ton-oder Glasscherbe bearbeitet, sagt seine Frau zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb! Hiob 2,9

In vielen verschiedenen Formen wird diese Frage im Laufe unseres Lebens auch an uns herangetragen: Eine Beziehung geht zu Bruch, ein geliebter Mensch stirbt, finanziell sieht es nicht rosig aus, Krankheit zermürbt unsere Lebensfreude, der Wunsch nach einem Partner wird uns nicht erfüllt oder unser Lebenstraum geht in die Brüche. Und schon steht die Frage nach Gott und ob er wahrhaft gut und vertrauenswürdig ist, mal lauter und mal leiser im Raum.Hiobs Antwort an seine Frau ist: Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? Hiob 2,10

Obwohl Gott nicht der Urheber des Bösen sein kann, weiß Hiob, dass alles, was ihm geschieht, in der souveränen Hand Gottes liegt. Er ist bereit, sich unter der mächtigen Hand Gottes zu beugen, obwohl er keinerlei Grund für seine Leiden sehen kann. Er akzeptiert für sich den Gang Gottes mit seiner Seele. Für solch eine Antwort und Haltung braucht es Demut, Selbstlosigkeit und Gottesfurcht.Der Glaube Hiobs ist alles andere als ein Schönwetter- oder Wohlstandschristentum. Die Wurzeln des Glaubens Hiobs gehen tief. Sie halten auch noch im Sturm, wo schon lange alles andere entwurzelt und erschüttert ist: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Hiob 19,25

Es ist erstaunlich, dass es nicht so sehr der Segen Gottes ist, der in uns Charakterformt wie es vielmehr die unzähligen Prüfungen und Versuchungen des Lebens sind, denen wir trotzen, an denen wir leiden und durch die wir wachsen. Für viele von uns stellt sich in diesen Zeiten die Frage: „Gott! Wo bist du?“Unser Gott ist genau dort: Er ist mit uns in unseren Zeiten der Dürre. Er steht uns zur Seite in unserer Krankheit und er ist da in unserem Schmerz. Er ist mit uns in den Momenten, in denen wir mit uns selbst ringen und Gott um Kraft und Durchhaltevermögen bitten. Er ist mit uns in dem Kampf, den unsere Seele durchleidet, Glauben zu behalten und Glauben erstarken zu lassen.Er ist die sanfte ruhige Stimme, die uns ermutigt weiter zu gehen und die Hoffnung nicht aufzugeben - die Stimme des Friedens, die uns so vertraut ist. In solchen Zeiten ist sie für den einen oder anderen vielleicht der einzige Grund noch weiterzumachen. All die Prüfungen und all das Leiden sind nicht sinn- und ziellos. Es ist das ausgesprochene Ziel Gottes, durch einen standhaften Glauben das Gute in uns zur Vollendung zu bringen und es nicht durch den Bösen stehlen zu lassen.Wenn Du in einer Zeit der Prüfung stehst, wünsche ich Dir einen Glauben mit tiefen Wurzeln, der dem Wind der Zeit standhalten kann, und ich wünsche dir Augen des Glaubens, Gott an deiner Seite stehen zu sehen, während der Ankläger wiederholt sagt, dass er dich schon längst verlassen hätte. Sieh noch einmal hin, er ist da und er wird nicht fortgehen. Seht es als einen ganz besonderen Grund zur Freude an, … Jak 1,2

Alexander Pritzkau

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