Ich will Euch trösten - Jahreslosung 2016

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Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Jesaja 66, 13

Wer die neue Jahreslosung hört, hat sofort ein Bild vor Augen: ein Kind, das sich mit verheulten Augen an die Brust der Mutter schmiegt und dort zur Ruhe kommt. Wie gut und tröstlich, wenn Kinder das erleben. Aber wie ist das im Erwachsenenalter? Was ist für dich Trost? Brauchst du überhaupt Trost? Wann sehnst du dich danach? Was sind die Situationen in deinem Leben, in denen du eigentlich jemanden an deiner Seite brauchst, der dir Trost bietet, bei dem du dich verstanden fühlst?

Sich verstanden fühlen – das könnte eine ganz gute Übersetzung für das Wort „Trost“ sein, ich bin getröstet, wenn mich jemand in meiner momentanen Gefühlslage versteht. „Trost“ hängt von seinem Ursprung mit dem Wort „treu“ und „Vertrauen“ zusammen. Ich finde Trost bei Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Die treu zu mir stehen, auch und gerade in Zeiten, in denen ich das Bedürfnis nach Trost habe. Wir merken: Trost hat viele Facetten. Die Fotoausstellung unserer Gemeinde zur Jahreslosung zeigt das auch auf eindrückliche Weise. Gerne kannst du dazu noch ein Trost-Bild beisteuern.

Woher kommt Trost? Das ist die entscheidende Frage! Das heißt: wann fühlst du dich wirklich ge-tröstet und nicht nur ver-tröstet? Tröster werden schließlich zuhauf angeboten und genutzt:
Vom Schnuffelkissen bis zur Wodkaflasche, von Massage bis zu Entspannungsmusik in Dauerschleife. Es ist eigentlich klar: Wer Trost-lose Momente erlebt, der braucht Zuwendung, die wirklich in der Tiefe ankommt und nicht nur kurzfristig betäubt oder die Umstände übertüncht.

Die Menschen, an die sich das Prophetenwort richtet, erlebten eine wirklich Trost-lose Situation von Krieg und Zerstörung, Hunger und Unsicherheit. Jerusalem war zerstört worden, das Volk verschleppt. Israel war seine Heimat genommen. Die Menschen haben alle Geborgenheit, jedes Gefühl von einem Zuhause verloren. Gott will Israel trösten wie eine Mutter tröstet, indem er Jerusalem wieder aufbaut. Die Zionsstadt soll ihnen wieder Schutz bieten. Sie wird ihre Menschen wieder ernähren. Gott wird für Israel sorgen, indem er ihre Stadt wieder aufbaut. Trost baut auf, buchstäblich. Entscheidend ist, wer aufbaut. Gott sagt: Ich will. Ich will dich trösten. Er ist der Gott allen Trostes (2. Korinther 1, 2). Jesus betet für den Tröster, den Heiligen Geist, dass er bei uns sei in Ewigkeit (Johannes 14, 16). Gott erklärt den Trost zur Chefsache. Weil es um unser Innerstes geht. Um unseren Aufbau und unsere innere Festigkeit. Und das bleibt ein Thema bis zum Ende unseres Lebens.

Der Heidelberger Katechismus stellt ganz am Anfang die berühmte Trostfrage: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Man könnte auch fragen: Was gibt dir letztgültigen Halt, innere Festigkeit und Orientierung? Die Antwort dieses alten Textes in Abschnitte unterteilt lautet: „Mein Trost ist, dass ich mit Leib und Seele Jesus gehöre. Das gilt im Leben und auch, wenn ich sterbe. Was ist das für ein Jesus, dem ich gehöre? 1. Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt. 2. Er hat mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst. 3. Er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt fallen kann, ja, dass alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Das Ergebnis: Er macht mich durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm zu leben.“
Die Jahreslosung lädt ein, achtsam mit sich selbst umzugehen und nahe bei Gott zu sein. Wenn wir das einüben, werden wir selbst getröstet und können andere trösten. Das baut auf: uns selbst, meinen Nächsten und die Gemeinde. Auf ein Trost-volles Jahr 2016.
André Krause