Fremdlinge im eigenen Land - Hör doch endlich mal zu!

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Manchmal bin ich richtig genervt, wenn ich im Gespräch mit Anderen merke, dass mir nicht zugehört wird: Ich bringe meine Argumente, aber der andere reagiert nicht mit sinnvollen Gegenargumenten, sondern fängt einfach von vorne an und beharrt auf dem Standpunkt. Dann möchte ich schreien und sagen, dass es so nicht geht, dass es nicht nur sinnlos, sondern auch unhöflich ist, einfach nicht zuzuhören. Wer jetzt denkt, dass ich ganz schön überreagiere, lese einmal nach, was im 5. Mose 10,16-17 für Worte gefunden werden: 16 So beschneidet nun eure Herzen und seid hinfort nicht halsstarrig. 17 Denn der Herr, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige und der Schreckliche, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk nimmt ...Dass hier die Beschneidung als Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk genannt wird, deutet darauf hin: Es ist Gott ernst mit seinem Anliegen und betrifft unmittelbar die Beziehung zwischen ihm und mir! Denn die nachfolgende Angelegenheit betrifft uns tief im Herzen, wo Gefühle und Wünsche, aber auch die Vernunft ihren Ursprung haben.

Argumentiert wird mit der Erhabenheit Gottes als Herr aller Herren: ER steht souverän über Mächten und Gewalten, ER setzt den Rahmen für Erfolg und Misserfolg. – Von daher wird ER auch der „Schreckliche“ genannt, ein Gedanke, den ich nachvollziehen kann: Manchmal kann ich Entscheidungen Gottes nicht nachvollziehen. Und nicht immer will mir das Lob leicht über die Lippen gehen. Und das, obwohl ER als unparteiisch und unbestechlich beschrieben wird. Erhaben und gerecht, so ist ER, und deswegen sollten wir hören, was ER zu sagen hat. 18 ... und schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. 19 Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Halt! Nicht aufhören zu lesen, nur weil ein unbequemes Thema angesprochen wird! Denn der erhabene Gott entscheidet nicht nur gerecht, sondern er handelt auch, wo es nötig ist: Waise und Witwen – in jeder Gesellschaft weltweit die am meisten bedürftigen Personengruppen – werden von ihm selbst versorgt! Welch eine Zusage, die unterschwellig andeutet, dass die Gesellschaft offensichtlich nicht genug tut, ihnen zu helfen!

Aber warum sollen denn auch noch Fremdlinge ins Herz geschlossen werden? Haben wir nicht genug mit unseren eigenen Bedürftigen zu tun? Haben wir? Schön und gut, wer auf diese Frage ganz persönlich mit JA antworten kann! – Jetzt auch noch Fremdlinge zu lieben, setzt dem Ganzen die Krone auf; es geht über das „normale“ Maß hinaus.

Jesus nimmt diesen Gedanken auf, wenn es in Matthäus 5:46 heißt: Wenn ihr nur die liebt, die euch auch lieben, was werdet ihr für einen Lohn haben? – Im Glauben gibt es auch so etwas wie den sprichwörtlichen „Dienst nach Vorschrift“, der einfach nicht genug ist, wenn man Jesus konsequent folgen möchte. Wir sind herausgefordert, mehr zu geben, als wir haben. Menschlich ist das unmöglich. Man kann ja auch nicht in Echt über seinen eigenen Schatten springen! Aber ich kann Schritte gehen, anstatt auf meinem Standpunkt zu beharren. Ich kann zuhören und meinem Herz einen Ruck geben, auch wenn mir nicht schmeckt, was ich sehe. Ich kann auf Andere zugehen und muss keine Angst vor ihnen haben, nur weil sie mir fremd sind. „Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben“ – warum soll ich das tun? ...Ach so: Weil Gott es möchte. ER fordert mich dazu heraus, nicht nur den einfachen Weg zu gehen, sondern im Glauben Schritte zu wagen, die auf den ersten Blick zwar schrecklich aussehen, aber letztlich mächtige Glaubensschritte sind.

Daniel Meisinger
Pastor GJW Sachsen

Bild: Stephanie Hofschläger / pixelio.de