Monatsspruch September - Werdet wie die Kinder

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Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihrnicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Matthäus 18,1-5

Jesus zieht mit seinen Jüngern durch Galiläa und hält seine zweite Passionspredigt (Matthäus 17). Er sagt seinen Jüngern, dass er in die Hände der Menschen ausgeliefert und sterben und am dritten Tag auferweckt werde. Die Jünger sind natürlich sehr betrübt und überhören den Hinweis auf die Auferstehung. Jesus ist es wichtig, in der verbleibenden Zeit seinen Jüngern noch soviel wie nur irgend möglich beizubringen.

So nimmt er die Frage bereitwillig auf, die ihm die Jünger stellen, um sie Entscheidendes für das Leben und den Umgang untereinander zu lehren. In der Übersetzung der Guten Nachricht ist das Kapitel mit "Anweisungen für die Gemeinde" überschrieben. In den folgenden Abschnitten geht es um das Leben in der Gemeinde Jesu Christi, in der die Regeln des Himmelreiches schon hier auf der Erde gelten. Jesus macht uns ganz klar, dass mit seiner Gemeinde das Himmelreich schon begonnen hat. Die Frage nach der Rangordnung in Gottes Reich / Gemeinde Jesu ist eine Frage, die unserem Wesen und Denken zutiefst entspricht. Wer hat sich die meiste Anerkennung verdient? Welche Aufgaben versprechen den höchsten Lohn? Wie kann ich Karriere machen?

 

Die Geschichte der Kirchen und Gemeinden ist voll von dem Bestreben der Menschen nach Größe, Macht und Anerkennung. So funktioniert unsere Gesellschaft. Dieses Denken wird schon in der Schule gefördert und zieht sich durch alle Lebenssituationen. Nun die große Überraschung für die Jünger und in letzter Konsequenz auch für uns. Wenn wir so "normal" leben und handeln, dann kommen wir gar nicht in Gottes Reich hinein. Dann sind wir auch nicht fähig, in Gottes Gemeinde zu leben. Jesus Christus sagt zu uns, dass wir uns grundlegend ändern und ändern sollen. Als Beispiel zeigt er uns zum wiederholten Male das Kind. Es geht also nicht nur um Demut und Sich-bewusst-klein-machen. Es geht darum, zutiefst im Inneren zu wissen, dass ich schwach bin, abhängig von der Gnade Gottes, dass mein Wissen begrenzt ist und ich meine Erlösung nicht erarbeiten kann. Ich bin vollständig abhängig von Gott, unserem Vater, und ich habe aber auch nicht den kleinsten Ansatz, mich über einen meiner Geschwister oder meinen Mitmenschen zu erheben.

Bis jetzt klingt das in unseren Ohren noch negativ, aber Kind sein heißt auch grenzenloses Vertrauen, Schutzbedürftigkeit, Liebesbedürftigkeit und unbegrenzter Glaube. Das macht uns fähig, Gottes Willen zu folgen, ihm zu glauben dass er nur das Beste für uns möchte. So fängt Gemeinde an zu funktionieren, wenn wir die Liebesbedürftigkeit unserer Geschwister sehen und uns von Gott inspirieren lassen, seine Liebe weiterzugeben. Ja, Gottes Liebe und Barmherzigkeit, die mir so geschenkt wird, bekommt eine neue und ganz wunderbare Dimension. Es ist ein Geschenk und soll mich ganz glücklich machen, ohne dass ich es mir erkämpfen musste.
Fritz Rienecker schreibt in seiner Auslegung des Matthäus-Evangeliums: "Es ist ein göttliches Gesetz, dass, je schwächer ein Mensch in sich selbst ist, desto reicher sich die Fülle der Liebe und des himmlischen Beistandes über ihn ergießt.“ (Matthäus 18,10) Es liegt also ein wunderbarer Segen auf uns, wenn wir uns so im Sinne unseres Herrn verändern und ihm gegenüber ein Leben wie die Kinder führen. Das bedeutet aber auch, dass wir wissbegierig sind und immer mehr von ihm lernen wollen, dass unser Glaube wachsen kann und wir ihm immer ähnlicher werden. Dann verstehen wir auch immer besser, dass durch unser Leben in so einer Gemeinde schon das Himmelreich hier in dieser Welt begonnen hat.

Es grüßt Euch herzlich
Horst - Joachim Weiße


Bild: Rainer Sturm / pixelio.de