Gottes Abstieg - Jesu Weg zum Kreuz

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„Er, der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand, nutzt seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus. Im Gegenteil: Er verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen. Aber er erniedrigte sich noch mehr: Im Gehorsam gegenüber Gott nahm er sogar den Tod auf sich; er starb am Kreuz wie ein Verbrecher.“ Philipper 2,6-8

Schon viele Menschen wollten Götter sein, aber nur ein Gott wollte Mensch sein. Der erste Schritt der Erniedrigung Jesu bestand darin, aufzugeben was er an Privilegien und Herrlichkeit in der Gegenwart seines Vaters hatte. Der Abstieg vom Schöpfer zum Geschöpf ist der größte Abstieg, den es je gegeben hat und je geben kann. Der Schöpfer entscheidet sich dazu, sich mit dem zu bekleiden, was seine Hände selbst geformt haben. Er entscheidet sich dazu, Niedrigkeit „anzuziehen“. Er hält nicht verkrampft an seinen „Reichtümern“ fest. Er ist bereit sie für eine bestimmte Zeit aufzugeben, um des Menschen willen.

Leiden (Ostern) ist der Weg des Abstiegs und des Niedrigwerdens. Wo der Mensch nach oben strebt, dort strebt Gott nach unten hin. Wo der Mensch den Stolzen belohnt und ihm nacheifert, belohnt Gott den Demütigen und er achtet auf den, welcher sich erniedrigt. Wo der Mensch mit den bekannten und besonderen Menschen assoziiert werden möchte, bekennt sich Gott zu und assoziiert sich Gott mit den Schwachen, Niedrigen und Zerbrochenen – den Ungebildeten, den „Asozialen“, den Flüchtlingen, den am Rand der Gesellschaft stehenden Menschen.

Gottes Herz ist diametral dem entgegengesetzt, was den Menschen und sein Herz ausmacht. Gottes Niedrigkeit endet nicht im Anziehen des Menschseins. Sie endet an der grausamsten und verabscheuungswürdigsten Art zu sterben. Das Kreuz ist der Inbegriff der Verachtung, der Bloßstellung und des Erleidens eines langsamen und schrecklichen Todes – der Tod eines Verbrechers. Dies ist der Weg, den Christus im Gehorsam zu seinem Vater geht, aber auch in der Liebe zur Menschheit:
„Und weil ich mein Leben hergebe, liebt mich mein Vater. Ich gebe es, um es wieder zu nehmen. Niemand nimmt es mir, sondern ich gebe es freiwillig her. Ich habe die Macht, es zu geben, und die Macht es wieder an mich zu nehmen. So lautet der Auftrag, den ich von meinem Vater erhalten habe.“ Johannes 10,17-18

Das heilige Momentum im christlichen Glauben ist dieser Gott der Niedrigkeit, der sich mit dem Schwachen und Verachteten der Welt identifiziert und mitleidet. Der Weg der Ehre Gottes führt durch diese Niedrigkeit hindurch: „Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ Jesaja 57,15

Diesen Weg geht der Christus am Kreuz. Auf diesem Weg erduldet er die Falschheit, den teuflischen Ehrgeiz, die Verschlagenheit, falsche Anschuldigungen, die Eifersucht, das Machtstreben, die Verachtung des Unvollkommenen, Kranken und Schwachen. Er erduldet dies alles nicht nur, sondern am Kreuz „zieht“ er dies alles an. Er wird von Gott so gerichtet, als sei dies alles sein eigenes Verhalten gewesen: „Den, der ohne jede Sünde war, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch die Verbindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können.“ 1. Korinther 5,21

Weil Christus den Weg der tiefsten Niedrigkeit ging, ist seine Belohnung größer als die jedes anderen Menschen. Er beweist damit, dass er allein würdig ist die Ehre zu empfangen: „Deshalb hat Gott ihn auch so unvergleichlich hoch erhöht und hat ihm als Ehrentitel den Namen gegeben, der bedeutender ist als jeder andere Name. Und weil Jesus diesen Namen trägt, werden sich einmal alle vor ihm auf die Knie werfen, alle, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind. Alle werden anerkennen, dass Jesus Christus der Herr ist, und werden damit Gott, dem Vater, die Ehre geben.“ Philipper 2,9-11

Es grüßt euch euer Alexander Pritzkau

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