Gönn dir mal nichts - Gedanken zur Fastenzeit

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Zu Beginn des 5. Jahrhunderts wurde die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern eingeführt. Dies waren Tage der Buße für begangene Sünde. Gleichzeitig war es eine Vorbereitungszeit für die Taufbewerber, die in der Osternacht getauft werden sollten. Die Zahl 40 findet viele Parallelen in der Bibel: die 40-tägige Fastenzeit Jesu vor seiner Versuchung in der Wüste, 40 Tage der Sintflut, 40 Jahre Wüstenwanderung des Volkes Israel, 40 Tage des Mose in der Gegenwart Gottes, eine 40-tägige Frist zur Umkehr für das Volk Ninive.

Häufig, wenn die Gemeinde Jesu ihre eigenen wertvollen Traditionen vergisst, werden diese Traditionen von anderen Bewegungen aufgegriffen. Heute fasten Menschen vor allem zur Entschlackung und Selbstheilung des Körpers. Es wurde nachgewiesen, dass Fasten bei rheumatischen Erkrankungen heilend wirkt. Dieses rein medizinische Fasten wird durchaus auch mit spirituellen Gedanken und Übungen kombiniert.

Das Fasten gibt es in vielen verschiedenen Religionen und Kulturen. Wer sich dem Fasten widmet, wird einen neuen Umgang zu seiner Lebenseinstellung finden, auch einen neuen Umgang zu Essen und Trinken, zu seiner Arbeit und zu seinen Lebensgewohnheiten. Vielleicht ist es an der Zeit, diese Übung neu zu entdecken. Christen sollten ihre Gewohnheiten überprüfen und auf alltägliche Genüsse verzichten. Wem ein vollständiger Verzicht auf Essen zu viel ist, für den ist solch ein gezielter Verzicht eine sehr gute Alternative. In der Bibel wird vorausgesetzt, dass die Gläubigen fasten. Jesus weist die Menschen in der Bergpredigt daraufhin, nicht so zu fasten, dass sie ihre Frömmigkeit vor anderen Gläubigen darstellen und auf dieser Weise Geltung erlangen.

Die Jünger sollen im Verborgenen fasten, wo nur der Vater im Himmel es sieht und sie belohnen wird (Matthäus6,16-18). Diesem geistlichen Fettnäpfchen scheinen wir heute wahrscheinlich nicht so leicht zu erliegen; einfach deshalb, weil wir nicht mehr so häufig fasten. Im Vordergrund des Fastens steht das Gebet und die Verbindung zu Gott. Wer fastet, der konzentriert sich in besonderer Weise auf diese Beziehung. Die Zeiten, in welchen er normalerweise essen würde, nutzt er für das Zwiegespräch mit Gott.

Wer schon mal 3-7 Tage gefastet hat, merkt in dieser Zeit, dass der Körper schwächer wird, dafür aber der Geist an Kraft gewinnt. Die Klarheit im Denken nimmt zu und das Müdigkeitsgefühl nimmt ab. Es ist eine interessante Erfahrung, durch diese Zeiten der Entbehrung einen neuen Zugang zum Essen, zum alltäglichen Lebensrhythmus zu finden.

Während des Fastens merken wir auch, womit wir unser Leben normalerweise füllen. Sind das möglicherweise Dinge, die ein Ersatz für unsere Gottesbeziehung geworden sind? Wer nicht fastet, ist gefüllt - keine Frage. Nur wovon, das bleibt zu beantworten. Deswegen kann eine längere Fastenzeit auch mal etwas zu Tage fördern, was sonst etwas tiefer in der Seele liegt und noch der Heilung bedarf. Eine Falle, in welche man tappen kann, ist griesgrämig und ungenießbar zu werden. Wer merkt, dass dies bei ihm der Fall ist, der weiß auch, dass es möglicherweise an der Zeit ist, das Fasten zu brechen. Der Prophet Jesaja macht sehr deutlich, was das Ziel des Fastens sein sollte: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke der Unterdrückung zu lösen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen.

Wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und dem, der deines Fleisches ist, entziehe dich nicht. Dann wird wie die Morgenröte dein Licht anbrechen und deine Heilung rasch aufsprießen, deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen und die Herrlichkeit des Ewigen wird dich aufnehmen.“ Jesaja 58,6-8

Solltest du schon lange nicht mehr gefastet haben, lade ich dich dazu ein, die geistliche Übung des Fastens für dich neu zu entdecken. Und wer weiß, womöglich begegnest du durch das Fasten Gott ganz neu.   

Es grüßt dich Alexander Pritzkau

Bild: Sigrid Rossmann / pixelio.de